Die Nazis

I. Warum Hitler? Eine (erste, spontane) Annäherung.

Zeit für eine größere Abhandlung habe ich nicht. Die Zeit des Nationalsozialismus in der Braunschweiger Region interessiert mich. Aber noch mehr der ganze Prozess und die einzelnen Stufen der Volkswerdung insgesamt. Also die Soziogenese, die dahinter steckt, generell. Wie immer man diese Epoche betrachten will, eines geht nicht: zu sagen, dass Deutschland eine glorreiche Geschichte hatte/hat und dass die Epoche des Nationalsozialismus diese nicht beschmutzen kann. Warum: weil die menschliche Evolution nur Sinn macht, wenn die nächste Generation durchschnittlich gesehen eine höhere Entwicklungsstufe darstellt als ihre vorangegangene(bzw. dieser höheren Entwicklungsstufe näher ist). Nichts spricht dagegen, dass das auch bei den Deutschen zwischen 1933 und 1945 der Fall war. Allerdings sind das tatsächlich nur 12 Jahre. Und Menschen brauchen Zeit, um aus Fehlern zu lernen. In einer Zeit des Umbruchs, der technologischen Innovationen. Was viel eher zutreffen könnte: dass es sich bei der Zeit des Nationalsozialismus um eine Engstelle der Geschichte handelte. In der Populationsgenetik gibt es den genetischen Flaschenhals. „Lebensraum“ (im Osten) war eine der Grundvokabeln des Nationalsozialismus. Zu der Zeit gab es noch keine „Antibabypille“. Der Vater (oder die Mutter) der Antibabypille war der Jude Carl Djerassi. Durch Empfängnisverhütung wird der menschlichen Sexualität ihr eigener unabhängiger Sinn genommen. Das kann für heterosexuelle Menschen, die sich lieben und die sich im besten Fortpflanzungsalter befinden, aber sich noch nicht bereit für die Elternschaft fühlen, fatal sein. Ihre Lust füreinander und das evolutionäre Potential ihrer Partnerschaft werden durch die chemische Intervention nicht größer werden. Man kann töten und man kann Geburten verhindern. Der Effekt der geringeren Anzahl von Menschen pro bestimmtem Jahrgang kann der gleiche sein. Zur Nazi-Zeit gab es noch keine solchen „effektiven“ Methoden der Geburtenkontrolle auf dem Markt. Der Flaschenhals war also gerade nicht genetischer, sondern territorialer Natur, wenn man die Möglichkeiten der Zeit konsequent weiter denkt. Der Planet sei zu klein für alle. Bzw. die Ressourcen erfordern für ihren effektiveren(?) Einsatz eine ungleiche Verteilung. Die Logik des exponentiellen Wachstums lernen wir gerade durch die Corona-Zahlen praktisch neu kennen. Nun kann man durch eine technologische Entwicklung(Nuklearwaffen) aus dieser Zeit nicht nur den Planeten noch viel kleiner machen, sondern sogar so zerstören, dass keine oder fast keine Menschen mehr auf ihm leben können. Wie verhindert man nun das? Lebensraum erobert man durch Krieg oder durch Unterwerfung aufgrund von Überlegenheit. Aber wie verhindert man, dass Überlegenheit versprechende Waffen eingesetzt werden? Durch Symmetrie und eine Logik der gegenseitigen Abschreckung. Man braucht also ein zureichendes Kräftegleichgewicht. Wie stellt sich dieses ein? Durch zwei gleichwertige Prinzipien der Machtentfaltung. Auf der einen Seite der Kapitalismus und auf der anderen Seite der Kommunismus. Nun waren das die beiden Grundfeindbilder des deutschen Nationalsozialismus oder man berichtige mich. Die Nazis sahen in beiden Systemen das Judentum am Werk. Warum nun Hitler? Hitler verführte das deutsche Volk dazu(oder es ließ sich dazu verführen), in einen Krieg einzutreten, der genau diese Antagonie an die Oberfläche spülen musste. Der Sozialismus des Nationalsozialismus war das Nazi-Gegenbild zum Kapitalismus und das Nationale des Nationalsozialismus war das Nazi-Gegenbild zum Kommunismus. Weder der Kapitalismus noch der Kommunismus konnten beim deutschen Volk verfangen. Ihren Gegenbildern zusammengebracht folgten sie blind – in einen Krieg, den eine weitsichtig philosophisch geschulte Vernunft entweder anders geführt oder niemals begonnen hätte. Wenn man den Krieg anders geführt hätte, Stalin nicht angegriffen hätte, hätte man den Kampf gegen das eine Feindbild verraten. Wenn man also wirklich einen Weltkrieg kämpft, wie will man die Welt besiegen, zu der man doch selber gehört? Zuletzt muss man sich also selber besiegen. Die Logik des Nationalsozialismus musste also in der Selbstüberwindung gipfeln. Eine militärische Logik muss dann einer anderen weichen, in der der Leib nicht tötet oder getötet wird, sondern u.a. durch der Hände Arbeit Neues/Bleibendes erschaffen kann. Wie gesagt: nicht nur der Leib, sondern auch der Geist kann töten. Hitler war nun derjenige, der den Wert von Feindbildern begriff und eine Synthese ihrer Gegenbilder schaffen konnte, in seiner Wendung an ein folgen wollendes Volk verkörpern konnte. Er war nicht willens, das eine Feindbild gegen das andere Feindbild zu verraten oder auszuspielen(und niemand wäre ihm sonst gefolgt), nur um einen halben Krieg zu gewinnen. Ob das trotzdem alles sein musste, ist eine andere Frage. Wo gab es die überlegene Intelligenz, die diesen Gang der Geschichte weniger opferreich hätte gestalten können? Wo, auf welcher Seite, ohne militärische Gewalt einzusetzen?

—————————————

—————————————

II. Hitler – der Unter-Autor, das Stück und die Über-Rolle

Die Grundlagen des NS-Regimes speisen sich wohl aus drei Grundlinien. Ein Überblick über die ganzen Einflüsse ist nicht leicht zu gewinnen. Auch in diesem Feld braucht es halt intensive Forschungen. Ich bin kein Spezialist in diesem Feld, was alle Details angeht. Leider sind die Spezialisten in diesem Feld oft keine Geistesgrößen. Ich werde mir hier keine vornehmen, sondern ein eigenes Modell dieser Zeit vorstellen. Zwei der drei Grundlinien sind sehr bekannt: der Nationalsozialismus und der Faschismus. Beides sind keine Schöpfungen von deutschen Staatsbürgern. Der Nationalsozialismus ist eine österreichische (teils sudetendeutsche) Schöpfung, die in dem Österreicher Hitler ihren Fortsetzer und (Schau-)Verkörperer fand. Der Faschismus ist eine italienische Schöpfung. Was ist also eigentlich deutsch an den Grundlagen dieses Systems?

Eine dritte Grundlinie wird als unterschiedene zumeist nicht hervorgehoben, in den Strom der Zeit gepackt, der vom Hitler-Faschismus an sich gerissen wurde. Für Hitler war der Protagonist dieser dritten Grundlinie neben ihm und Mussolini aber sehr präsent und die Erinnerung an ihn wurde von ihm und der NSDAP wach gehalten. Hitlers Ambiltionen zielten ja auf Deutschland und als einer seiner Türöffner, die ihm die Türen in die deutsche Gesellschaft öffneten, gilt Dietrich Eckart. Dietrich Eckart ist von allen drei Personen für mich die interessanteste, aber die unbekannteste unter ihnen. Wie viele kennen Hitler und Mussolini und wie viele kennen Dietrich Eckart nicht? Dietrich Eckart starb schon früh. Lange vor der Machtergreifung. Ich weiß nicht, wie authentisch dieses Zitat ist, in dem er Hitler Megalomanie zwischen einem Messias-Komplex und Neroismus attestiert. Auch über Dietrich Eckart weiß ich noch zu wenig und ich habe vor, diese Lücken zu schließen. Aber durch einiges von seinem Werk und seine Wirkung auf Hitler weiß ich schon etwas. Seine Worte knallten und seine Schrift brannte. Er war der Protagonist einer dritten, deutschen Grundlinie.

Durch diese dritte Grundlinie konnten Faschismus und Nationalsozialismus fest verklammert werden. Und das heißt in meinem Modell Unterbewusstsein und Bewusstsein. Die Beziehung zwischen dem Führer und dem behaupteten, aber erst werdenden Volk gehört dabei zu der unterbewussten Kreishälfte des Faschismus, die spiegelsymmetrische Beziehung zwischen dem Nationalen und dem Sozialismus zu der bewussten des Nationalsozialismus. Verklammert werden diese zwei Kreishälften durch eine Punktsymmetrie von Punkten auf den Wellen, die vom Mittelpunkt dieses Kreises ausgehen. Also z.B. wenn man einen Stein ins Wasser wirft, gehen von dem Eintrittspunkt Wellen als konzentrische Kreise vom Mittelpunkt aus. Und wenn man einen Punkt z.B. auf einem Wellengipfel betrachtet und eine gerade Strecke durch den Mittelpunkt mit der gleichen Entfernung des anderen Streckenendes zu diesem Mittelpunkt auf der entgegengesetzten Seite legt, so findet man den entsprechenden Punkt auf dem Wellenberg der anderen Seite. Für jeden Punkt des Kreises gibt es also ein Gegenüber. Keiner geht leer aus. Die Kreishälften verbindend. Das kann man nun auch auf die Glocke und den von ihr ausgehenden Schall übertragen. Die dritte Grundlinie ist die der „Erweckung“. „Deutschland erwache!“ war die Botschaft von Dietrich Eckart.

Dietrich Eckart war ein Autor von u.a. Dramen, Streitschriften und journalistischen Beiträgen. Als er inhaftiert wurde, wehrten sich Geist und Leib derart, dass sie keine Einheit mehr darstellen konnten und er starb daran. Er war das personifizierte Motto „Freiheit oder Tod“, so wie Hitler das Motto „Sieg oder Tod“ bis in den Tod personifizieren musste. Für Eckart war der Mensch zentral, eine Glocke, die geläutet werden musste, damit er für seine Rechte eintritt. Am Beginn der Wellenbildung ist die Kraft in der Mitte konzentriert. Ein Aufschrei der Gerechtigkeit.

Dietrich Eckart war der Autor und Hitler war der Unter-Autor. Punktsymmetrie bedeutet ja auch Achsensymmetrie. Nur dass die Achse sich drehen kann. In „Bewegung“ ist. Nun starb Eckart früh. Wenn man aus der Punktsymmetrie eine Flächen-Punktsymmetrie macht, also die Achse hier gemäß der Binnen-Zweiteilung der Kreishälften nur zwischen zwei Positionen oszillieren lässt, können zwei Kreisviertel symmetrisch am Punkt gespiegelt werden(jeweils ein bewusstes und ein unbewusstes) . Dann folgt man aber nicht mehr dem Originalgedanken von Dietrich Eckart. Sondern vergröbert ihn über die Maßen. Und Ungerechtigkeit kann die (systematische) Folge sein. Dadurch wird die Verklammerung der zwei Kreishälften auch schwächer(gewaltsamer?). Diese Vereinfachung wird durch eine ähnliche Referenz dieser punktgespiegelten Flächen erleichtert. Auch für Eckart entstand die Möglichkeit der Punktsymmetrie erst durch diese Referenz, obwohl es Erstere der Sache nach auch ohne Letztere gibt(vier Grenzlinien fehlen Eckart; die Grenzen zwischen den Kreisvierteln; zwei durchgehende Linien; die Trennungen zwischen den Kreishälften senkrecht und waagerecht). Eckart hätte also auch schweigen können. Wenn er geschwiegen hätte, hätte er seine Kunst perfektioniert. Wenn man die vollständige Punktsymmetrie zu jener Flächen-Punktsymmetrie ins Verhältnis setzt, erhält man vielleicht den Differenzen-Möglichkeitsraum zwischen dem, was Eckart gewollt hätte, und dem, was Hitler umgesetzt hat. Dieser Raum verringert sich durch „gute“ Charaktere und wird durch den bösesten Charakter ausgeschöpft, am größten. Wie „gut“ konnte ein Charakter im post-Eckart-Hitler-Faschismus sein?

Diese Grafik zeigt das oben Beschriebene, die obere Kreishälfte das Bewusstsein mit dem Nationalsozialismus und die untere Kreishälfte das Unterbewusstsein mit dem Faschismus. Beim Bewusstsein spielen u.a. Zwecke und Mittel eine Rolle, beim Unterbewusstsein u.a. Ängste und Wünsche. Ich habe dieses Modell erst in den letzten drei Tagen entwickelt. Im inneren Kreis befindet sich das Freundliche, im äußeren Kreis das Feindliche. Aber beim Bewusstsein liegt das Bild außerhalb des Schildes, beim Unterbewusstsein ist es umgekehrt. Bei Bild und Schild handelt es sich um Medien des Simplexen. Man muss sich nur vor den Spiegel stellen, um sich zu sehen. Ein Schild reicht zur Abwehr von Wurfgeschossen aus. Bei jeder Wurfbahn oder Art der Kraftanwendung. Er muss nur robust genug sein. Wie der Spiegel sauber genug sein muss.

Das Stück war das von Hitler. So schlecht oder gut die Aufführung auch immer sein konnte. Er hatte freie Hand bei der Inszenierung. Denn es war sein Stück. Er trat vor den Massen auf. Seine Stimme hallte durch die Lautsprecher. Da er aber auch der Unter-Autor und nicht der Autor war, wie gut konnte das Stück sein, das aufgeführt wurde? Es lebte vom Mangel her. Am Ende stand er mit leeren Händen da. Der Protagonist starb tatsächlich auf der Bühne. Als Teil des Stückes?

Zu der Rolle, die er spielte, besaß er nicht die genügende Distanz. Es war die Über-Rolle. Es war die Realität. Eigentlich war es die Rolle von Mussolini und das Publikum nicht deutsch, sondern italienisch. Puccini und nicht Wagner.

Hitler war der Fehler im Star-System. Der Star ist ein Fehler. Nach Hitler setzte sich die Linie der Hauptattraktoren mit Elvis, den Beatles und dann vielerlei fort. Zwischen den Vieren aus Liverpool und Hitler stand Elvis. In seiner Singularität ein Beweis für die Kontinuität. Auf der Bühne. Und nicht so sehr in der Realität. Die Einhegung der Auswirkungen der Massenattraktion hatte begonnen. Etwas, an dem ein Volk nicht stellvertretend schuld sein kann. Das wussten die US-Amerikaner sofort. Deshalb unter anderem der Marshall-Plan.

Ich werde das einmal so stehen lassen, obwohl ich noch mehr erklären könnte. Z.B. nicht nur die vertikale Differenz(Bewusstsein/Unterbewusstsein), sondern auch die horizontale. Dadurch würde dieser Text zu lang werden. Und ich habe zu wenig Zeit, die ich auch u.a. zur Vertiefung meines Wissens benötige.